Tuesday, December 18, 2012

fünf Monate

 
Jetzt wirds erst richtig interessant: Baby legt einen erstaunlichen Sinn für Humor an den Tag, prustet los, wenn man es überrascht, komische Grimassen schneidet oder Dinge hervorzaubert und verschwinden lässt. Leider ist eine Grimasse aber meistens nur einmal komisch, danach hat man sich gefälligst etwas Neues einfallen zu lassen. Der Hit ist und bleibt aber ein fliegender Poo-Bär und Tücher, die auf Babys Köpfchen hinabschweben. Ich revidiere derweil mein Urteil über Gruppentherapie-Lieder aus den Babykursen: die einfachen Melodien und "lustigen" Texte ("die Maus hat rote Socken an...") in Verbindung mit bestimmten Bewegungen haben Wiedererkennungswert und zaubern ganz sicher ein breites Lächeln auf die rosigen Wangen. Und davon kann Mami eben nie genug bekommen... Hätte auch nie gedacht, dass ich Schneekugeln und Spieluhren einmal so toll finden würde. Und es stimmt wirklich, dass man als Mama todunglücklich ist, sein Baby für mehr als ein paar Stunden verlassen zu müssen, selbst wenn das Kleine in besten Händen ist sich bei Oma und Opa köstlich amüsiert.

 

Unsere Frauen-WG hat sich mittlerweile soweit eingespielt, dass wir einen geregelten Tagesablauf haben: Zweimal am Tag sitzen wir bei Tee und Breichen zusammen in der Küche. Halina beobachtet fasziniert, wie Mutti Erwachsenen-Essen in den Mund schiebt und schmatzt das eine oder andere Löffelchen Gemüsepürree weg, obwohl sie auch viel lieber Spagetti essen würde. Seit ihre Mahlzeiten nicht mehr ausschließlich aus Muttermilch bestehen, nähert sich ihr Bodymass-Index der Normalkurve im Arztheft an, aber immernoch werde ich regelmäßig auf meinen "kräftigen Kleinen" angesprochen. Wir gleichen das Missverständnis durch viel Rosa aus. Ist zwar nicht politisch korrekt, aber Rosa steht ihr einfach am besten. Zu meiner Beruhigung höre ich immer wieder von ganz zierlichen Frauen, dass sie als Baby auch so kleine Dickerchen waren...

 

... und habe nur Angst, dass ich das Kind, das jetzt schon über neun Kilogramm wiegt, irgendwann nicht mehr alleine tragen kann. Eine kleine Schocksekunde auch jedesmal, wenn ich kurz das Haus verlassen muss, beispielsweise um den Müll runterzubringen, in dem Moment, wenn die Tür ins Schloss fällt: Habe ich auch WIRKLICH den Schlüssel eingesteckt? Notfalls Handy dabei?? Es passiert nämlich manchmal, dass ich genau das Gegenteil von dem tue, was ich eigentlich vorhabe: Ich steige in die U2 Richtung Ruhleben, obwohl ich mir die ganze Zeit einhämmere "NICHT nach Ruhleben!!!" Bei all dem Halbschlaf spielt einem der Verstand eben Streiche, und Illusion und Wirklichkeit rücken beängstigend nah zusammen. Beispielsweise wache ich mitten in der Nacht auf, weil ich mir sicher bin das Baby beim letzten Stillen in meinem Bett vergessen zu haben, und jetzt finde ich es nicht mehr, weil es entweder in den Kissen verloren gegangen oder von der Bettkante gerutscht ist... Natürlich schläft es friedlich in seinem eigenen Bettchen, und vielleicht habe ich auch nur geträumt, dass ich mitten in der Nacht aufgewacht bin, oder habe ich nur geträumt, dass ich geträumt habe, dass...?!?