Jetzt wirds
erst richtig interessant: Baby legt einen erstaunlichen Sinn für Humor an den
Tag, prustet los, wenn man es überrascht, komische Grimassen schneidet oder
Dinge hervorzaubert und verschwinden lässt. Leider ist eine Grimasse aber meistens
nur einmal komisch, danach hat man sich gefälligst etwas Neues einfallen zu lassen.
Der Hit ist und bleibt aber ein fliegender Poo-Bär und Tücher, die auf Babys
Köpfchen hinabschweben. Ich revidiere derweil mein Urteil über Gruppentherapie-Lieder
aus den Babykursen: die einfachen Melodien und "lustigen" Texte
("die Maus hat rote Socken
an...") in Verbindung mit bestimmten Bewegungen haben Wiedererkennungswert
und zaubern ganz sicher ein breites Lächeln auf die rosigen Wangen. Und davon
kann Mami eben nie genug bekommen... Hätte auch nie gedacht, dass ich
Schneekugeln und Spieluhren einmal so toll finden würde. Und es stimmt
wirklich, dass man als Mama todunglücklich ist, sein Baby für mehr als ein paar
Stunden verlassen zu müssen, selbst wenn das Kleine in besten Händen ist sich
bei Oma und Opa köstlich amüsiert.
Unsere
Frauen-WG hat sich mittlerweile soweit eingespielt, dass wir einen geregelten
Tagesablauf haben: Zweimal am Tag sitzen wir bei Tee und Breichen zusammen in
der Küche. Halina beobachtet fasziniert, wie Mutti Erwachsenen-Essen in den
Mund schiebt und schmatzt das eine oder andere Löffelchen Gemüsepürree weg,
obwohl sie auch viel lieber Spagetti essen würde. Seit ihre Mahlzeiten nicht
mehr ausschließlich aus Muttermilch bestehen, nähert sich ihr Bodymass-Index
der Normalkurve im Arztheft an, aber immernoch werde ich regelmäßig auf meinen
"kräftigen Kleinen" angesprochen. Wir gleichen das Missverständnis
durch viel Rosa aus. Ist zwar nicht politisch korrekt, aber Rosa steht ihr einfach
am besten. Zu meiner Beruhigung höre ich immer wieder von ganz zierlichen
Frauen, dass sie als Baby auch so kleine Dickerchen waren...
... und habe
nur Angst, dass ich das Kind, das jetzt schon über neun Kilogramm wiegt, irgendwann
nicht mehr alleine tragen kann. Eine kleine Schocksekunde auch jedesmal, wenn
ich kurz das Haus verlassen muss, beispielsweise um den Müll runterzubringen,
in dem Moment, wenn die Tür ins Schloss fällt: Habe ich auch WIRKLICH den
Schlüssel eingesteckt? Notfalls Handy dabei?? Es passiert nämlich manchmal,
dass ich genau das Gegenteil von dem tue, was ich eigentlich vorhabe: Ich
steige in die U2 Richtung Ruhleben, obwohl ich mir die ganze Zeit einhämmere
"NICHT nach Ruhleben!!!" Bei all dem Halbschlaf spielt einem der Verstand
eben Streiche, und Illusion und Wirklichkeit rücken beängstigend nah zusammen.
Beispielsweise wache ich mitten in der Nacht auf, weil ich mir sicher bin das
Baby beim letzten Stillen in meinem Bett vergessen zu haben, und jetzt finde
ich es nicht mehr, weil es entweder in den Kissen verloren gegangen oder von
der Bettkante gerutscht ist... Natürlich schläft es friedlich in seinem eigenen
Bettchen, und vielleicht habe ich auch nur geträumt, dass ich mitten in der
Nacht aufgewacht bin, oder habe ich nur geträumt, dass ich geträumt habe, dass...?!?