Tuesday, April 23, 2013

Reise nach New York

Babys erste große Reise! Im Flugzeug nach New York fiebert das ganze Serviceteam mit, dass Halina ihre gute Laune behält. Hinterher werde ich beglückwünscht - ich habe ein reisetaugliches Baby, das pünktlich zu Start und Landung auf Mamas Schoß einschläft - zum Glück, denn reisen werden wir in diesem Leben noch viel. Wir sitzen strategisch günstig, gleich hinter den Toiletten, wo man uns ein Reisebett an die Wand schrauben kann. Ich lese, dass die Vorrichtung für Kinder bis elf Kilogramm geeignet ist und erinnere mich dunkel an den letzten Arztbesuch vor zwei Monaten, bei dem Lina zehn Kilo auf die Waage brachte. Wie ein dickes Küken thront sie in ihrem Nest und grinst alle an, die auf ein freies Klo warten. Aus unerfindlichen Gründen hat man uns einen französischen Hipster an die Seite gesetzt, der höflich auf seinem Platz sitzen bleibt und alles aufsammelt, was Madame aus dem Nest schleudert. Dieses Spiel bereitet ihr mehr Spaß als mein pädagogisch wertvolles Stoffpuzzle oder das von Airberlin spendierte "Baby Kit", bestehend aus einer in drei Größen verstellbaren Windel (alle drei zu klein für uns), jeder Menge Feuchttüchern (für die man im Notfall eine dritte Hand bräuchte, um sie aus den winzigen Plastehüllen zu pulen) und einem Klapperring mit Werbung der Fluglinie (kann für drei Minuten Babys Aufmerksamkeit fesseln). So sorgfältig als müssten wir uns auf eine Prüfung vorbereiten studieren wir die laminierte Bordkarte, probieren alle möglichen und unmöglichen Sitzpositionen aus, kämpfen mit dem Babygurt, der durch den Mamagurt gefädelt werden muss, mit Stampferfüßchen, die nicht sitzen wollen, und mit Grapschhändchen, die nach den Haaren der Sitznachbarn, nach Büchern und Bildschirmen greifen. Nach gefühlten drei Stunden schaue ich zum ersten Mal auf die Uhr: 45 Minuten sind vergangen, sieben Stunden liegen noch vor uns, wir befinden uns am Rande Skandinaviens.

Die riesige Stadt, der Papa aus dem Computer und die quirlige, überglückliche polnische Oma bedeuten erstmal Reizüberflutung und Jetlag für alle Beteiligten. Wie hypnotisiert starrt Halina auf die quietschbunten singenden Spielzeuge, von denen sie bald umringt ist. Später kann sie gar nicht mehr genug bekommen vom singenden Grobi aus der Sesamstraße und von der lauten, fröhlichen Babcia, die sich so ähnlich anhört. Zwei echte Katzen gibt es zu respektieren, gummierte Spielplätze zu entdecken, vierzig brandneue Quadratmeter Holzdielen mit dem Bauch zu bohnern, Omas Selbstgekochtes zu probieren - zwischendurch unwiderstehliche "Blueberry Puffs", die nicht an den Händen kleben, sich im Babymund selbst auflösen und in zwei Bissen süchtig machen. Nach einer Woche ist es, als hätten wir nie woanders gelebt. Halina hat ihre regulären Schlaf- und Essenszeiten wie nach der Uhr gestellt übernommen und geht gutgelaunt an Bord der Airberlin: JFK - Tegel.

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