Wenn wir reisen, steht die Zeit still. Unter uns fliegen Länder, Kontinente, Ozeane dahin. Nur diesseits der Plexiglasscheiben bewegt sich gar nichts. Vor einem Jahr noch ist Halina beim Landen und Starten in den Süden eingeschlafen, heute bäumt sich der kleine Kinderkörper gegen all den Stillstand auf. Sobald der Kindergurt in Sichtweite kommt, fängt sie an zu wimmern. Das ist so, wie wenn Mama zu Hause um sieben Uhr abends anfängt Schlaflieder zu singen oder das Wort "schlafen" erwähnt: Dann bekommen die großen Kinderaugen etwas Wehmütiges und wie eine kleine Sprechmaschine tickert Halina "nein, nein, nein,..." vor sich hin.
Zum Glück gibt es Bordunterhaltung. Zwar schafft es Mama bei Turkish Airlines nie, eine für uns verständliche Sprache einzustellen, ist aber bei den Kinderkurzfilmen eh nicht so wichtig. Und mit Halinas begeisterten Kommentaren: "Oooh, Maus! Wauwau, hui! Aua! Katze..." wissen auch noch die Fluggäste drei Reihen weiter, was sich gerade bei Tom und Jerry abspielt.
Umsteigen auf dem Atatürk Airport Istanbul: Mit übermüdeten roten Bäckchen stapft ein stolzes Reisebaby die Laufbänder entlang, dreht dann am Gate Richtung Doha nochmal richtig auf, klettert die Gepäckablagen rauf und runter, flirtet mit einer Gruppe arabischer Studentinnen und unterhält die Sitzreihe hinter uns mit Grimassen und kleinen Kunststückchen, zB. Tierfiguren unter den Sitz fallen lassen und wieder hervorholen... So vergeht ein ganzer Tag mit gutem Essen der türkischen Fluggesellschaft. Halina sitzt mal zwischen meinen Füßen, mal steht sie auf meinem Schoß, irgendwann schläft sie unbequem quer, während Mamas Beine taub werden. Zum Glück reisen wir nicht so oft, wie die Türkin mit zwei jähriger Tochter neben uns: Die meinte, sie mache das so zum zwanzigsten Mal!
Halina
Sunday, December 29, 2013
Monday, June 17, 2013
elf Monate
Diesen Monat ist Halina mit amerikanischen Studenten des Sommerprogramms von Duke und Rutgers University unterwegs. Unser Gruppenfoto vor dem Gebäude der TU zeigt sechzig Studenten und ein Baby, das konzentriert den Boden untersucht. Potsdam im Regen, München bei herrlichem Sommerwetter - überall war Halina dabei und wurde von gackernden Studentinnen verwöhnt. Die Tage sind lang und intensiv, und am Wochenende sind wir mit dem Rad unterwegs in dieser großartigen Stadt. Abenteuer mit Meghana im Treptower Park, Halina mit Helm und ein Wochenende alleine mit Oma und Opa.
Wir führen kleine Dialoge nach folgendem Muster:
Mama: "anziehen! aaaaan..."
Baby: "daaaa....."
Mama: "ziiieehen!"
Baby: "deeeed!"
Friday, May 10, 2013
Reise nach Katar
Damit wir nicht aus der Übung kommen, fliegen wir, gerade aus den Staaten zurück, in die arabische Welt, um Peter in Doha zu besuchen. Mittlerweile kann Halina im Flugzeug auf meinem Schoß einschlafen, indem sie sich eine Mama-Hand als Kopfkissen zurechtrückt und die andere wie eine Schlafmaske auf die Augen legt. So kann die geknebelte Besitzerin zwar weder schlafen, noch lesen, aber zum Glück gibt es Bord-Entertainment, und während die ganze Maschine friedlich in der Dunkelheit dämmert, kichert Frau Filmwissenschaftlerin im Kinderprogramm. Zum Frühstück um vier Uhr Ortszeit Istanbul wachen alle wieder auf. Die türkischen Business-Männer, die es nicht in die erste Klasse geschafft und das Glück haben neben uns zu sitzen, starren ungläubig auf Kind, Mutter und Frühstückstablett, alles auf einem Sitz. Das Ganze läuft dann aber ganz unspektakulär ab. Baby bekommt ein Brötchen in die Fäustchen und ist für die nächsten 45 Minuten aufs Glücklichste beschäftigt.
Im Flieger Nummer zwei von Istanbul nach Katar begrüßt der Kapitän seine Gäste mit den Worten: "Dear ladies and gentlemen, dear children!" - Wie schön, wir besuchen ein kinderfreundliches Land! Leider bekommt Baby erstmal ein Matschauge und eine Erkältung vom Wechsel zwischen schwül-heißer Wüstenluft und winterlichen Raumtemperaturen. Dazu kommt eine Beule an der Stirn nach Sofasturz in Papas Wohnung. Halina verschläft den Großteil der ersten zwei Tage, was Sinn macht, denn man geht eh besser erst nach 17 Uhr aus dem Haus. Wir kriechen also am zweiten Tag spätnachmittags aus unserer gegen die Hitze abgedunkelten Höhle, um einen Spaziergang an der Corniche zu wagen und fallen aus allen Wolken: Es regnet in Strömen!!!
Das Gute am Regen ist, dass hinterher der Staub von Palmen, Autos und Glasfassaden gewaschen ist. Die Luft ist klar, die Temperaturen erträglich, die Stadt glänzt! Wir fahren in die Wüste und an den Strand, das heißt ins Sealine Beachresort, wo es Kinderbecken und einen Babyspielplatz gibt. Abends essen wir syrisch, und alle lieben das pausbäckige weiße Baby mit den blauen Augen. In der Mall machen ein paar Inder Fotos. Im Restaurant bringt ein ägyptischer Kellner Bananenmilch und füttert Lina damit, was ihr so gut gefällt, dass sie spontan lernt aus einer Tasse zu trinken.
Im Flieger Nummer zwei von Istanbul nach Katar begrüßt der Kapitän seine Gäste mit den Worten: "Dear ladies and gentlemen, dear children!" - Wie schön, wir besuchen ein kinderfreundliches Land! Leider bekommt Baby erstmal ein Matschauge und eine Erkältung vom Wechsel zwischen schwül-heißer Wüstenluft und winterlichen Raumtemperaturen. Dazu kommt eine Beule an der Stirn nach Sofasturz in Papas Wohnung. Halina verschläft den Großteil der ersten zwei Tage, was Sinn macht, denn man geht eh besser erst nach 17 Uhr aus dem Haus. Wir kriechen also am zweiten Tag spätnachmittags aus unserer gegen die Hitze abgedunkelten Höhle, um einen Spaziergang an der Corniche zu wagen und fallen aus allen Wolken: Es regnet in Strömen!!!
Das Gute am Regen ist, dass hinterher der Staub von Palmen, Autos und Glasfassaden gewaschen ist. Die Luft ist klar, die Temperaturen erträglich, die Stadt glänzt! Wir fahren in die Wüste und an den Strand, das heißt ins Sealine Beachresort, wo es Kinderbecken und einen Babyspielplatz gibt. Abends essen wir syrisch, und alle lieben das pausbäckige weiße Baby mit den blauen Augen. In der Mall machen ein paar Inder Fotos. Im Restaurant bringt ein ägyptischer Kellner Bananenmilch und füttert Lina damit, was ihr so gut gefällt, dass sie spontan lernt aus einer Tasse zu trinken.
Tuesday, April 23, 2013
Reise nach New York
Babys erste große Reise! Im Flugzeug nach New York fiebert das ganze Serviceteam mit, dass Halina ihre gute Laune behält. Hinterher werde ich beglückwünscht - ich habe ein reisetaugliches Baby, das pünktlich zu Start und Landung auf Mamas Schoß einschläft - zum Glück, denn reisen werden wir in diesem Leben noch viel. Wir sitzen strategisch günstig, gleich hinter den Toiletten, wo man uns ein Reisebett an die Wand schrauben kann. Ich lese, dass die Vorrichtung für Kinder bis elf Kilogramm geeignet ist und erinnere mich dunkel an den letzten Arztbesuch vor zwei Monaten, bei dem Lina zehn Kilo auf die Waage brachte. Wie ein dickes Küken thront sie in ihrem Nest und grinst alle an, die auf ein freies Klo warten. Aus unerfindlichen Gründen hat man uns einen französischen Hipster an die Seite gesetzt, der höflich auf seinem Platz sitzen bleibt und alles aufsammelt, was Madame aus dem Nest schleudert. Dieses Spiel bereitet ihr mehr Spaß als mein pädagogisch wertvolles Stoffpuzzle oder das von Airberlin spendierte "Baby Kit", bestehend aus einer in drei Größen verstellbaren Windel (alle drei zu klein für uns), jeder Menge Feuchttüchern (für die man im Notfall eine dritte Hand bräuchte, um sie aus den winzigen Plastehüllen zu pulen) und einem Klapperring mit Werbung der Fluglinie (kann für drei Minuten Babys Aufmerksamkeit fesseln). So sorgfältig als müssten wir uns auf eine Prüfung vorbereiten studieren wir die laminierte Bordkarte, probieren alle möglichen und unmöglichen Sitzpositionen aus, kämpfen mit dem Babygurt, der durch den Mamagurt gefädelt werden muss, mit Stampferfüßchen, die nicht sitzen wollen, und mit Grapschhändchen, die nach den Haaren der Sitznachbarn, nach Büchern und Bildschirmen greifen. Nach gefühlten drei Stunden schaue ich zum ersten Mal auf die Uhr: 45 Minuten sind vergangen, sieben Stunden liegen noch vor uns, wir befinden uns am Rande Skandinaviens.
Die riesige Stadt, der Papa aus dem Computer und die quirlige, überglückliche polnische Oma bedeuten erstmal Reizüberflutung und Jetlag für alle Beteiligten. Wie hypnotisiert starrt Halina auf die quietschbunten singenden Spielzeuge, von denen sie bald umringt ist. Später kann sie gar nicht mehr genug bekommen vom singenden Grobi aus der Sesamstraße und von der lauten, fröhlichen Babcia, die sich so ähnlich anhört. Zwei echte Katzen gibt es zu respektieren, gummierte Spielplätze zu entdecken, vierzig brandneue Quadratmeter Holzdielen mit dem Bauch zu bohnern, Omas Selbstgekochtes zu probieren - zwischendurch unwiderstehliche "Blueberry Puffs", die nicht an den Händen kleben, sich im Babymund selbst auflösen und in zwei Bissen süchtig machen. Nach einer Woche ist es, als hätten wir nie woanders gelebt. Halina hat ihre regulären Schlaf- und Essenszeiten wie nach der Uhr gestellt übernommen und geht gutgelaunt an Bord der Airberlin: JFK - Tegel.
Die riesige Stadt, der Papa aus dem Computer und die quirlige, überglückliche polnische Oma bedeuten erstmal Reizüberflutung und Jetlag für alle Beteiligten. Wie hypnotisiert starrt Halina auf die quietschbunten singenden Spielzeuge, von denen sie bald umringt ist. Später kann sie gar nicht mehr genug bekommen vom singenden Grobi aus der Sesamstraße und von der lauten, fröhlichen Babcia, die sich so ähnlich anhört. Zwei echte Katzen gibt es zu respektieren, gummierte Spielplätze zu entdecken, vierzig brandneue Quadratmeter Holzdielen mit dem Bauch zu bohnern, Omas Selbstgekochtes zu probieren - zwischendurch unwiderstehliche "Blueberry Puffs", die nicht an den Händen kleben, sich im Babymund selbst auflösen und in zwei Bissen süchtig machen. Nach einer Woche ist es, als hätten wir nie woanders gelebt. Halina hat ihre regulären Schlaf- und Essenszeiten wie nach der Uhr gestellt übernommen und geht gutgelaunt an Bord der Airberlin: JFK - Tegel.
Friday, March 8, 2013
acht Monate
Kaum kommt der Frühling für ein paar Tage zu Besuch, wird die dicke Jacke zu Hause gelassen und Halinchen im leichten Buggy ohne extra Decke durch die Jungfernheide geschoben, was sich prompt rächt. Nicht nur ist für heute jede Menge Schnee angekündigt, Baby ist zum ersten Mal richtig krank, mit hohem Fieber und einer ratlosen Mutter, die seit Tagen die Kinderärzte im Umkreis von fünf Kilometern belagert. - Mit der Erkenntnis, dass es manchmal besser ist einfach zu Hause zu bleiben, als stundenlang in Wartezimmern mit schmutzigen Krabbelteppichen und schniefenden Kleinkindern zu verbringen. Als wir nach zwei Stunden Wartezeit endlich an der Reihe sind, blickt Halina die schlechtgelaunte Sprechstundenhilfe, die ihr ein Pullertütchen an den Hintern geklebt hat, kritisch an, lächelt ansonsten in die Runde und wird für gesund befunden. Bitte morgen wiederkommen, falls das Fieber anhält.
In der Nacht wacht Krümelchen heiß und weich auf, wimmert und schreit. Ich kann hören, wie die Nachbarn nacheinander wach werden und hoffe, dass die nette Dame von nebenan, die uns beim Einzug Blumen geschenkt hat, auch noch morgen wohlgesonnen ist. Halina will Milch und nur noch Milch, und schläft beim Trinken wieder ein. Hoffentlich schläft sie sich gesund!
Derweil wird unsere neue Wohnung immer wohnlicher und kinderfreundlicher. In jedem Zimmer gibt es eine Baby-Ablage oder -Sitzfläche, Mama sitzt auf Koffern oder auf dem Bett. Das Kinderzimmer ist auch das einzige, das vollkommen neu gestrichen wurde und keinerlei Raucherspuren vom Vormieter mehr aufweist. Ich probiere mich im Mobiles-Basteln und sehe in jeder leeren Cremedose und Plastikflasche ein potentielles Babyspielzeug. Wenn wir nicht aufpassen, ist der schöne neue Freiraum bald zugespamt. Müssen demnächst eine Ladung Babysachen zum An- und Verkauf bringen! Ansonsten gibt's ja noch Ebay und den Keller.
In der Nacht wacht Krümelchen heiß und weich auf, wimmert und schreit. Ich kann hören, wie die Nachbarn nacheinander wach werden und hoffe, dass die nette Dame von nebenan, die uns beim Einzug Blumen geschenkt hat, auch noch morgen wohlgesonnen ist. Halina will Milch und nur noch Milch, und schläft beim Trinken wieder ein. Hoffentlich schläft sie sich gesund!
Derweil wird unsere neue Wohnung immer wohnlicher und kinderfreundlicher. In jedem Zimmer gibt es eine Baby-Ablage oder -Sitzfläche, Mama sitzt auf Koffern oder auf dem Bett. Das Kinderzimmer ist auch das einzige, das vollkommen neu gestrichen wurde und keinerlei Raucherspuren vom Vormieter mehr aufweist. Ich probiere mich im Mobiles-Basteln und sehe in jeder leeren Cremedose und Plastikflasche ein potentielles Babyspielzeug. Wenn wir nicht aufpassen, ist der schöne neue Freiraum bald zugespamt. Müssen demnächst eine Ladung Babysachen zum An- und Verkauf bringen! Ansonsten gibt's ja noch Ebay und den Keller.
Saturday, February 16, 2013
sieben Monate
Höhepunkte ohne Ende diesen Monat: Wir sind umgezogen und Papa war aus Doha zu Besuch. Baby Halina entwickelt
sich zu einer eigenen kleinen Persönlichkeit, zieht die Einschlaf-Schnur der
Spieluhr nun selbst und dudelt sich so lange, wie die Augen offen bleiben,
alleine in den Schlaf. Die Spielkonsole an ihrem Laufstühlchen ist sehr schnell
langweilig geworden, und statt an den Rädchen zu drehen und die Musiktasten zu
drücken baut sie das gesamte Teil ab und wieder an.
Welche Kraft in der linken Babyhand steckt, merkt jeder, dem sie ins Gesicht oder in den Arm kneift. Entsprechend zerkratzt sehe ich manchmal aus.
Überhaupt, Babys neues Hobby heißt „zerstören“: Mutti baut einen Legoturm, Baby
zerstört das Bauwerk, Mami liest Zeitung, Halinchen zerpflückt das Papier in
gleichmäßige Fetzen, die dann auf unserem U-Bahn-Sitz zurückbleiben. In
öffentlichen Verkehrsmitteln hat Baby entdeckt, dass ein bestimmter Typ von
Frau ganz entzückt auf das Pausbacken-Lächeln reagiert. Das wird schamlos
ausgenutzt und unsere Sitznachbarin so lange penetrant angeschmachtet, bis die
erwünschte Reaktion kommt. Tagesmutti Tavan sagt dann: "Schleimer", und Lina lächelt in ihrem weißen Pelz wie ein
Unschuldslämmchen, befühlt das fremde Anorakmaterial und lässt sich auf Iphones
und Tablet Computern die neuesten Spiele-Apps vorführen. Bestimmt wird
das Mädel mal ein Computer-Nerd, ist jetzt schon auf Bildschirme fixiert,
schließlich erscheint Papa jeden Abend auf so einem Ding.
Der erste Babyunfall:
In einer unaufmerksamen Sekunde beim Umzugskisten-Packen ist das Kind vom Bett gefallen, und ich dachte
immer es wird übertrieben, wenn gesagt wird: Lassen Sie Ihr Baby NIE aus den
Augen! Anscheinend sind 140 x 200cm nicht genug Platz, wenn sich ein Kind um
die eigene Achse drehen lernt. Jedenfalls verbrachten wir zwei lange Stunden in
der Notaufnahme der DRK-Klinik, schäkerten mit großen und kleinen Kindern im
Wartezimmer, um dann von der Ärztin zu hören, dass kein Grund zur Sorge
besteht, schließlich war’s kein Hochbett und kein Steinfußboden, Baby hat sich
nicht übergeben und nicht geblutet. Bitte die Nacht über beobachten, ob sich
die Pupillen trüben. An Schlaf ist sowieso seit langem nicht mehr zu denken,
meine freudige Botschaft von den „zuverlässig durchgeschlafenen Nächten“ war
doch ein bisschen verfrüht.
Tuesday, January 8, 2013
sechs Monate
Die größte Neuigkeit diesen Monat ist natürlich, dass Halina nun verlässlich von sieben Uhr abends bis sieben morgens durchschläft. Auf einmal bin ich am Tag wieder munter und die Augenringe gehen zurück, obwohl ich lieber die halbe Nacht durchlese, anstatt zu schlafen. Das Baby ist friedlich und lächelt immerzu in die Gesichter ringsherum, zieht in der U-Bahn die Aufmerksamkeit der Feierabendpendler auf sich (morgens im Berufsverkehr passiert das nie), und lacht sogar den Kinderarzt an. Der doch die böse Spritze hat! Komischerweise steckt sie diese geradezu freundlich weg, ganz im Gegensatz dazu, was beim Mütze-aufsetzen passiert, oder beim Thema Mittagsschlaf...
Unsere Berliner Familie wächst, denn ich lasse keine Möglichkeit aus Halina mit neuen Gesichtern bekannt zu machen und sie auch mal anderen Händen anzuvertrauen. Das soll mir nicht nur Arbeit abnehmen und mir ein bisschen Zeit geben ich selbst zu sein. Auf die Gefahr hin, dass ich im PEKiP Kurs als Rabenmutter dastehe, finde ich, dass ein Kind ein soziales Wesen ist und, wenn auch Großfamilien und Dorfgemeinschaften nicht mehr das typische Babyumfeld sind, von vielen großgezogen werden sollte.
Seit ein paar Wochen kommt also neben Regine vom Verein "Wellcome" auch noch eine Freiwillige vom Verein "Känguru" zu Besuch. Azadeh ist Iranerin und seit einigen Jahren auf Asyl in Deutschland, wo sie bisher noch immer auf die Erlaubnis wartet in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten zu dürfen. Ihr Mann ist Bauingenieur und auch seine Abschlüsse und Erfahrungen werden hier nicht anerkannt. Jetzt betreut sie zwei Familien mit Kleinkindern und hilft einmal in der Woche in einem Hospiz aus, alles unentgeltlich. Man merkt wie sehr sie sich bemüht in Deutschland anzukommen und aus dem Haus zu gehen, ganz anders als rund die Hälfte meiner Nachbarn in dem Genossenschaftsblock, wo wir wohnen. Ich schätze ein Drittel unserer Nachbarn ist arbeitslos oder lebt sonstwie vom Staat: Fr. Dobener ist Rentnerin, deren Schlafzimmer an Halinas Zimmer grenzt und der ich insgeheim dankbar bin, dass sie sich nie über Lärm beschwert. Die Kettenraucherin muss immer meine Amazon-Pakete entgegennehmen, weil wir nie zu Hause sind, sie dagegen immer. Die Pakete bekomme ich dann nikotinverseucht. Bisher habe ich Fr. Dobener nur im Bademantel gesehen. Rund um die Wohnanlage haben sich Einkaufswagen angesammelt, die niemand zurück zu Netto oder Lidl schieben möchte. Auf dem Klettergerüst im Buddelkasten sitzen Jugendliche, von denen ich nicht wissen möchte, was sie da rauchen. Man merkt, das gutsituierte bürgerliche Charlottenburg fängt erst zwei Blöcke weiter an. Für Azadeh ist die Babyhilfe gleichzeitig Deutschunterricht, und ihre Kinder sprechen besseres Deutsch als die Clique in unserem Sandkasten.

Angeblich ist Deutschland ja ein sehr kinderfeindliches Land, wenn man mal davon absieht, was der Staat alles auf die Beine stellt um Frauen doch noch zum Kinderkriegen zu animieren: Mutterschutz, Elterngeld, Kindergeld, Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, Betreuungsgeld... Trotz allem ist man mit Kinderwagen und der kleinen Zeitbombe darin sowas wie ein Behinderter im Rollstuhl: kaputte oder fehlende Fahrstühle werden zur Katastrophe, enge Geschäfte sind ein Graus und einen Restaurantbesuch sollte man gründlich vorbereiten. Ich erinnere mich an die Restaurants in Katar, wo bis zu 14köpfige Familien ohne Umstände platziert wurden und so ein Lokal im Null Komma Nix in einen Sportplatz verwandeln durften. Da hat man als armseliger Alleinstehender nichts zu melden! Wäre hier natürlich nicht denkbar, aber wenigsten bin ich noch nie auf offene Ablehnung gestoßen. Im Gegenteil: wir bekommen in der U-Bahn immer einen Sitzplatz, uns werden Türen aufgehalten und Taschen hinterhergetragen - ich dachte, sowas gibt's gar nicht mehr. Und ich glaube beim Anblick von Mutter mit Kind im Tragegurt werden lärmende Männergruppen verlegen und wütende Straßenfeger-Verkäufer sanft. Ganz weich wurde neulich ein Riese von einem Mann, der meinte, wenn er noch einmal so klein wäre, würde er nicht wieder zum Bau gehen. Noch ist alles offen, Halinchen, noch so viel Zeit ein glücklicher Erwachsener zu werden!
Seit ein paar Wochen kommt also neben Regine vom Verein "Wellcome" auch noch eine Freiwillige vom Verein "Känguru" zu Besuch. Azadeh ist Iranerin und seit einigen Jahren auf Asyl in Deutschland, wo sie bisher noch immer auf die Erlaubnis wartet in ihrem Beruf als Krankenschwester arbeiten zu dürfen. Ihr Mann ist Bauingenieur und auch seine Abschlüsse und Erfahrungen werden hier nicht anerkannt. Jetzt betreut sie zwei Familien mit Kleinkindern und hilft einmal in der Woche in einem Hospiz aus, alles unentgeltlich. Man merkt wie sehr sie sich bemüht in Deutschland anzukommen und aus dem Haus zu gehen, ganz anders als rund die Hälfte meiner Nachbarn in dem Genossenschaftsblock, wo wir wohnen. Ich schätze ein Drittel unserer Nachbarn ist arbeitslos oder lebt sonstwie vom Staat: Fr. Dobener ist Rentnerin, deren Schlafzimmer an Halinas Zimmer grenzt und der ich insgeheim dankbar bin, dass sie sich nie über Lärm beschwert. Die Kettenraucherin muss immer meine Amazon-Pakete entgegennehmen, weil wir nie zu Hause sind, sie dagegen immer. Die Pakete bekomme ich dann nikotinverseucht. Bisher habe ich Fr. Dobener nur im Bademantel gesehen. Rund um die Wohnanlage haben sich Einkaufswagen angesammelt, die niemand zurück zu Netto oder Lidl schieben möchte. Auf dem Klettergerüst im Buddelkasten sitzen Jugendliche, von denen ich nicht wissen möchte, was sie da rauchen. Man merkt, das gutsituierte bürgerliche Charlottenburg fängt erst zwei Blöcke weiter an. Für Azadeh ist die Babyhilfe gleichzeitig Deutschunterricht, und ihre Kinder sprechen besseres Deutsch als die Clique in unserem Sandkasten.
Angeblich ist Deutschland ja ein sehr kinderfeindliches Land, wenn man mal davon absieht, was der Staat alles auf die Beine stellt um Frauen doch noch zum Kinderkriegen zu animieren: Mutterschutz, Elterngeld, Kindergeld, Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz, Betreuungsgeld... Trotz allem ist man mit Kinderwagen und der kleinen Zeitbombe darin sowas wie ein Behinderter im Rollstuhl: kaputte oder fehlende Fahrstühle werden zur Katastrophe, enge Geschäfte sind ein Graus und einen Restaurantbesuch sollte man gründlich vorbereiten. Ich erinnere mich an die Restaurants in Katar, wo bis zu 14köpfige Familien ohne Umstände platziert wurden und so ein Lokal im Null Komma Nix in einen Sportplatz verwandeln durften. Da hat man als armseliger Alleinstehender nichts zu melden! Wäre hier natürlich nicht denkbar, aber wenigsten bin ich noch nie auf offene Ablehnung gestoßen. Im Gegenteil: wir bekommen in der U-Bahn immer einen Sitzplatz, uns werden Türen aufgehalten und Taschen hinterhergetragen - ich dachte, sowas gibt's gar nicht mehr. Und ich glaube beim Anblick von Mutter mit Kind im Tragegurt werden lärmende Männergruppen verlegen und wütende Straßenfeger-Verkäufer sanft. Ganz weich wurde neulich ein Riese von einem Mann, der meinte, wenn er noch einmal so klein wäre, würde er nicht wieder zum Bau gehen. Noch ist alles offen, Halinchen, noch so viel Zeit ein glücklicher Erwachsener zu werden!
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